108 JAHRE DEUTSCHUNTERRICHT

IN BRASILIEN

Beginn des 20. Jahrhunderts ... 6. Januar 1901, eine Schule wird aus der Taufe gehoben - durch die Willenskraft und die Initiative einer Handvoll deutscher Einwanderer im Glauben an eine qualitativ gute Ausbildung ihrer Kinder, verbunden mit der Kultur ihres Ursprunglandes.

Sie erahnten einen neuen Kontinent, gliederten sich in eine neue Nation ein und begannen ihre Geschichte der Ausbildung, die von interkulturellem Reichtum geprägt war.

Wie von ungefähr trafen sich Menschen, schlossen sich zusammen, schlugen neue Wurzeln weitab von ihrem Heimatland, in einem kleinen Haus, der "Deutschen Schule zu Villa Marianna".

Und heute begeht das Colégiio Benjamin Constant mit Stolz sein 100jähriges Bestehen, 100 Jahre soliden Unterrichts, mit dem Blick auf die Anforderungen des anbrechenden Jahrtausends.

Ob es dafür ein Geheimnis gab ... wir wissen es nicht, aber mit Sicherheit waren Entschlossenheit und die Aussicht auf die Zukunft für sein Bestehen bestimmend.

Meilensteine eines von Aufopferung für die Erziehung geprägten Jahrhunderts

Ein Teil dieser Gruppe hatte schon 1897 das Deutsche Krankenhaus, heute Hospital Alemão Oswaldo Cruz, ins Leben gerufen, in dessen Räumen viele Festlichkeiten der Schule abgehalten wurden, deren Erlös zur Erweiterung der schulischen Anlagen dienen sollten.

Am 4. Februar 1904 beginnt das Schuljahr mit 20 Schülern, 8 Mädchen und 12 Jungen, in einem gemieteten Haus in der Rua Vergueiro. Ein in Deutschland ausgebildeter Lehrer, Herr Wintersberg, der bisher Privatstunden gab, übernimmt den Unterricht.

Fünf Monate später wird der Unterricht in ein kleines Haus, umgeben von einem Garten, an der Ecke Rua Domingos de Morais und José Antônio Coelho, verlegt, in einer Gegend mit kleinen ländlichen Besitztümern, wo viele Deutsche wohnen.

Heut stehen den Schülern nach Abschluss des Gymnasiums auch Berufsschulkurse zur Auswahl, darunter Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt auf Außenhandel, bei dem vier Sprachen gelehrt werden: portugiesisch, deutsch, english und spanisch. Auch die Ausbildung zur Sekretärin ist viersprachig. Im Chemiekursus haben sich Kolorometrie und Galvanoplastik herauskristallisiert.

Es ist in der Tat eine Lebensgeschichte von 100 Jahren, von hingebungsfreudigen Erziehern, immer im Hinblick auf die Ausbildung Jugendlicher, die diese seriöse und zuverlässige Lehranstalt besuchen. Sie begleitet unablässig die Entwicklung des Lehrens und Lernens und beschreitet den Weg der Erziehung und lässt nie die deutsche Kultur zusammen mit der Geschichte Brasiliens aus den Augen.

So kann das Colégio Benjamin Constant, rückblickend auf seine 100 Jahre erfolgreichen Einsatzes, zuversichtlich das neue Jahrtausend beginnen, bstens gerüstet, um seinen jetzigen Schülern und späteren Generationen eine solide Grundlage für ihren Lebensweg zu vermitteln.

(BRASIL-POST - São Paulo aus erster Hand - 5. Januar 2001, Nr. 2602 / Seite 13)